Systemische Praxis mit Kindern, Jugendlichen und Familien

Die Sorgen und Nöte von Kindern sind vielfältig und oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Häufig verbergen sie sich hinter lauten, aggressiven, aber auch stillen, eher ängstlichen oder scheinbar gleichgültigen Verhalten. Der Selbstwert von Kindern, die einen irgendwie gearteten Kummer haben, schrumpft enorm. Auf Erwachsene reagieren sie nicht selten misstrauisch. Wie können wir sie erreichen, sie selbstwertstärkend ansprechen? Wie können wir ihre Ressourcen aktivieren und ihnen helfen, sich wieder selbstwirksam, zufrieden und kompetent zu erleben.

Und, macht eine systemisch-beraterische Praxis, die sich direkt an die Kinder wendet, eigentlich Sinn? Oder brauche ich, um etwas bewirken zu können, das ganze Familiensystem, insbesondere die Eltern?
Die Antwort lautet ”Ja und Nein”, oder systemisch ausgedrückt ”sowohl als auch”.

Nicht, weil die Eltern und das Familiensystem allzu oft als Verursacher für Probleme im Verdacht stehen, sollten sie einbezogen sein, sondern weil sie eine wichtige Ressource sein können, damit ein Kind seine Schwierigkeiten mit Unterstützung seiner engsten Bezugspersonen lösen kann.

Ein Kind kann andererseits manchmal schneller und direkter zum Ziel gelangen, wenn es selbst als Hauptakteur*in angesprochen wird. Wir bieten ihm Unterstützung an, sein eigenes Ziel zu entwickeln, seine eigenen Ressourcen zu erkennen und zu aktivieren. Dies kann ein ganz anderes Ziel, als das der Erwachsenen sein. Und die Kinder entscheiden, was ihre Ressourcen sind und wie sie diese gewichten.

Der systemische Ansatz, der selbst oft spielerisch und mit einer gewissen Leichtigkeit daherkommt, bietet eine Fülle an Möglichkeiten, gerade die Stärke von Kindern, nämlich deren Fantasie, Kreativität sowie ihre
Spielfreude zu utilisieren, um Lösungen zu kreieren.

Natürlich ist es dafür hilfreich, wenn wir Berater*innen im Kontakt mit unserem eigenen inneren Kind sind. Daher darf in diesem Seminar gelacht und gespielt werden. Es dürfen ” Fehler” passieren und all das, was sich unser inneres Kind wünscht und braucht, um sich gut zu entfalten. Dann sind wir bestens gerüstet, in einen entwicklungsfördernden Kontakt mit Kindern zu treten.

… mit Jugendlichen
Jede und jeder wird sich erinnern können: Jugendliche*r zu sein ist nicht so einfach. Mit dem Eintritt in die Pubertät wachsen nicht nur neue Kräfte und Erkenntnisse, sondern auch jede Menge Unsicherheit und Scham. Gegenüber der Erwachsenenwelt wächst das Misstrauen sowie der Wunsch eigene Wege einzuschlagen, sich einerseits mehr und mehr abzunabeln, sich andererseits anlehnen zu wollen und sich der eigenen ”Clanzugehörigkeit” gewiss sein zu können. Insbesondere Hilfsangeboten stehen Jugendliche in der Regel erst einmal skeptisch gegenüber. Zu der Ausgangsituation dieser Entwicklungsphase passt der systemische Ansatz besonders gut, da in der systemischen Haltung ein hoher Respekt vor der Autonomie des Gegenübers steckt.

Der Jugendliche ist sein eigener Experte – die Jugendliche ist ihre eigene Expertin. Dies anzuerkennen gegenüber den Entscheidungen der Jugendlichen, ist wichtige Voraussetzung für eine gelingende
Zusammenarbeit mit ihnen.

Zugleich wünschen sich Jugendliche ein offenes und ehrliches Feedback. In der systemischen „Respektlosigkeit“ gegenüber starren „Mindsets“ dürfen Zweifel durchaus geäußert werden und gegenüber kurzfristig entlastenden, langfristig aber wenig hilfreichen, vielleicht gar schädlichen Lösungsstrategien von Jugendlichen kann Skepsis angebracht sein. Letztlich suchen wir mit ihnen und nicht für sie die Reiseroute in Richtung Erwachsenwerden. Neben diesen Haltungsfragen sollen für Jugendliche anschlussfähige Methoden an diesem Seminartag nicht zu kurz kommen.

… mit Familien
Die systemische Arbeit mit einer ganzen Familie ist keine leichte Aufgabe. (Nicht umsonst sind in der Tradition der Familientherapie häufig zwei Therapeut*innen und u.U. noch ein Reflecting Team involviert gewesen.) Schnell geraten wir Berater*innen in den Sog der Problemtrance und fühlen uns dann genauso ratlos wie die Familie selbst. Wie bleiben wir handlungsfähig und bewahren in der schnellen Dynamik von familiärer Kommunikation die Orientierung?

Dabei spielen u.a. Settingfragen eine wichtige Rolle. Das Setting in Abstimmung mit den prozessbeteiligten Familienmitgliedern zu gestalten, bedeutet Prozessverantwortung zu übernehmen. Doch wann und warum entscheide ich mich z.B. mit der ganzen Familie zu arbeiten oder aber mit Varianten von Subsystemen? Besonders komplex wird es, wenn es um Patchworkfamilien geht …

Was muss ich beachten, will ich die Allparteilichkeit schaffen und Neutralität wahren? Denn das sind nicht nur Fragen der inneren Haltung, sondern auch der methodischen Umsetzung. Familiäre Muster und verschiedene Wirklichkeitskonstruktionen können über das Systembrett, über das Erkunden vom „Tanz um das Problem“, über zirkuläre Fragen, über Skulpturarbeit und Externalisieren sichtbar gemacht und in Fluss gebracht werden. Darüber hinaus können über gemeinsames Gestalten von Familienbildern, Familienlandschaften, Familientieren u. ä. spannende und verbindende Erfahrungen geschaffen werden.

Dies alles soll an diesem Seminartag praktisch ausprobiert und erfahrbar gemacht werden.

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Termin:   22./23. (Fr/Sa) und 30. September (Sa), jeweils 9.00 – 17.00 Uhr

Leonie Dortschy, Diplom Pädagogin, Systemische Therapeutin DGSF

Tagungsort:   Vallendar/Koblenz

TN-Gebühr:   240,- € + 120,- € (ohne Übernachtung) Teilnehmende/Ehemalige unserer längerfristigen Weiterbildungen und Studierende 190,- € + 90,- €)

Anmeldeschluss:   01. September 2023

Diese Veranstaltung wurde als Fortbildung durch die Landespsychotherapeutenkammer anerkannt (33 Punkte) bei Teilnahme an allen Tagen.

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