Krebs ist nie ein Ein-Personen-Ereignis

Systemische Psychoonkologie zwischen Krankheit, Beziehung und Lebensgeschichte

Eine Krebserkrankung verändert nicht nur einen Körper. Sie erschüttert Gewissheiten, stellt Lebensentwürfe infrage und verändert Beziehungen. Was bisher selbstverständlich erschien, wird plötzlich fragil. Was trägt, wenn Zukunft nicht mehr planbar ist? Was geschieht mit Identität, wenn bisherige Rollen nicht mehr erfüllt werden können? Wie verändert sich eine Familie, wenn die Krankheit unerwartet ihren Platz im System einnimmt?

Eine Krebsdiagnose ist deshalb weit mehr als ein medizinisches Ereignis. Sie ist häufig eine Einladung – wenn auch eine zutiefst ungewollte – das Leben neu zu ordnen.

Wer bin ich, wenn Leistung, Gesundheit oder Kontrolle nicht mehr selbstverständlich sind? Welche Beziehungen gewinnen an Bedeutung? Welche Geschichten über mich selbst tragen nicht mehr? Und welche wollen neu erzählt werden?

In der systemischen Psychoonkologie betrachten wir diese Fragen nicht allein auf individueller Ebene. Krankheit wirkt immer in Beziehung. Sie verändert Partnerschaften, Familien, Freundschaften und berufliche Kontexte. Sie macht Ressourcen sichtbar, legt aber auch Loyalitäten, alte Muster, unausgesprochene Erwartungen und verborgene Belastungen offen.

Dieses Seminar verbindet psychoonkologische Perspektiven mit systemischem Denken und Arbeiten. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen in Zeiten existenzieller Verunsicherung professionell begleitet werden können – nicht nur als Patient*innen, sondern als Teil von Lebensgeschichten und Beziehungssystemen.

Dabei richtet sich der Blick auch auf die Haltung der Begleitenden selbst. Viele Fachkräfte kennen Krankheit, Verlust, Abschied oder existenzielle Krisen nicht nur aus ihrer beruflichen Rolle. Oft berühren die Themen auch eigene Erfahrungen und Lebensfragen. Das Seminar eröffnet einen Raum, diese Resonanzen als Ressource für professionelles Handeln zu reflektieren.

Mithilfe systemischer Konzepte sowie Struktur- und Aufstellungsarbeit erforschen wir, wie Krankheit ihren Platz in einem System findet, welche Dynamiken dadurch entstehen und welche Möglichkeiten von Neuorientierung sich daraus entwickeln können. Wir untersuchen, wie Menschen trotz tiefgreifender Verunsicherung wieder mit ihren Ressourcen, Beziehungen und inneren Kraftquellen in Kontakt kommen können.

Inhalte

  • Krebs als biografischer Wendepunkt
  • Krankheit als Herausforderung für Identität, Beziehung und Lebensentwurf
  • Existenzielle Themen in der Psychoonkologie: Endlichkeit, Kontrollverlust, Hoffnung und Sinn
  • Familien- und Paardynamiken im Kontext schwerer Erkrankungen
  • Belastungen und Ressourcen von Angehörigen
  • Die Rolle professioneller Begleiter*innen in existenziellen Krisen
  • Systemische Struktur- und Aufstellungsarbeit in der Psychoonkologie
  • Fallarbeit, Selbsterfahrung und Praxisreflexion

Zielgruppe

Therapeut*innen, Berater*innen, Coaches, Fachkräfte aus Psychosozialer Beratung, Medizin, Pflege und Seelsorge sowie alle, die Menschen mit einer Krebserkrankung und deren Angehörige professionell begleiten und ihre eigene Haltung zu Krankheit, Verlust und Veränderung vertiefen möchten.

Georgina KleinZiel des Seminars ist es, Krebs nicht nur als Krankheit, sondern als tiefgreifenden Veränderungsprozess im Geflecht von Beziehungen und Lebensgeschichte zu verstehen – und Menschen auf diesem Weg begleiten zu können: im Erforschen dessen, was trotzdem trägt.

Termin: 15. Mai 2027, 9 – 17 Uhr

Georgina Klein, Diplom Pädagogin, Systemische Therapeutin DGSF, langjährige Tätigkeit als Psychoonkologin, seit 2025 Dozentin bei DeBiZet in Dernbach, seit 2021 auch in eigener Praxis tätig

Tagungsort: Koblenz/Vallendar

TN-Gebühr: 135,- € (ohne Übernachtung) (Teilnehmende/Ehemalige unserer längerfristigen Weiterbildungen und Studierende 100,- €)

Anmeldeschluss: 3 Wochen vorher

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